Filmdaten: Der schwarze Freitag

Deutschland 1966

Regie: August Everding

Drehbuch: Answald Krüger // Maria Matray

Produktion: Helmut Ringelmann

Kamera: Günther Senftleben

Schnitt: Werner Preuss

Besetzung: Curd Jürgens // Paul Hoffmann // Hermann Lenschau // Dieter Borsche // Peter Capell // Ullrich Haupt // Hans Christian Blech // Heinz Engelmann // Wolfgang Reichmann // Erik Ode // Franz Rudnick // Wolfgang Neuss // Manfred Steffen // Hans Ulrich // Horst Tappert (als Erzähler) // u.a.

Bildformat: PAL 4:3 s/w

FSK: Infoprogramm gemäß §14 JuSchG

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Der schwarze…: eine Kritik von M.S.

Quelle: PIDAX (URL: https://www.pidax-film.de/Historien-Klassiker/Der-schwarze-Freitag::1017.html)

Der 24. Oktober 1929 markiert einen Einschnitt in der New Yorker Börsengeschichte. In Folge des Wirtschaftswachstums der 1920er Jahre investierten viele Menschen in Aktien und spekulierten auf ein konstantes Wirtschaftswachstum. Auf diese Weise entstand eine Spekulationsblase, welche am besagten Tag platzte und eine Weltwirtschaftskrise zur Folge hatte.

Im Zentrum des 1966 veröffentlichten Dokumentarspiels „Der schwarze Freitag“  mit Curd Jürgens in der Hauptrolle steht die Beantwortung der Frage, wie es zu der Tragödie kommen konnte und die Suche nach einem möglichen Schuldigen. Curd Jürgens verkörpert hierbei Richard Whitney, welcher zum damaligen Zeitpunkt Präsident der New Yorker Börse war und vom Senat beschuldigt wird, für die negative Entwicklung verantwortlich zu sein.

Die historische Einordnung und die Entwicklung innerhalb der Geschichte werden dem Zuschauer durch einen in regelmäßigen Abständen auftretenden Erzähler verdeutlicht. Diesem obliegt unter anderem, den Film zu eröffnen und dabei die Geschehnisse der 1920er Jahre zu erzählen. Unterlegt mit zeitgenössischen Videos und Bildern, wie beispielsweise der Autoproduktion wird dem Zuschauer ein guter Überblick über die goldenen Zwanziger gegeben und auch im späteren Verlauf des Filmes gelingt es dem Erzähler durch Bezug auf vorherige Ereignisse die Geschichte voranzutreiben. Im Mittelpunkt der übrigen Szenen steht Richard Whitney, dessen Rolle im Film in der recht langen Szene vor dem Senat deutlich wird. Der Regisseur nutzt die Befragung durch den Senat als Stilmittel, um dem Zuschauer das Börsengeschäft näher zu bringen. Auf Grund der Länge der Szene und den vielen Informationen über die Vorgänge an der Börse, erfordert es ein hohes Maß an Konzentration beim Zuschauer, wird aber durch Nachfragen und Wiederholen bestimmter Tatsachen durch die Akteure vereinfacht.

In vielen Szenen kann der Zuschauer die Emotionen der einzelnen Akteure an Hand der Gesichter ablesen. Hierfür werden die Gesichter in Großaufnahme präsentiert und auf diese Weise entsteht eine emotional gefühlte Nähe zu den Personen. Curd Jürgens schafft es die Entwicklung der Gefühlslage von Richard Whitney allein durch seine Körperhaltung dem Zuschauer gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Zu Beginn ist das Selbstbewusstsein des Präsidenten der New Yorker Börse deutlich an seinem aufrechten Gang zu erkennen. Vor dem Senat sitzt Richard Whitney mit einer derart lässigen Gleichgültigkeit im Sessel, dass dem Zuschauer gar nichts anderes übrig bleibt, als davon auszugehen, dass er nur so vor Selbstbewusstsein strotzt.

Originalgetreu verhält sich das Dokumentarspiel in Bezug auf die Rolle der Frau und die Darstellung der schwarzen Bevölkerung im Amerika der 1930er Jahre. Während Frauen nicht an der Wall Street vertreten sind und nur in kleineren Rollen, wie die eines Dienstmädchens auftreten, werden schwarze Personen im Film ebenfalls nur während Hilfsarbeiten gezeigt, wodurch die damalige Abgrenzung durch den weißen Teil der Bevölkerung verdeutlicht wird.

„Der schwarze Freitag“ behandelt ein Thema, welches bis heute hochaktuell ist. Die Geschichte wiederholt sich in soweit immer wieder, dass Menschen nicht aus den bereits gemachten Fehlern lernen und somit eine weitere Weltwirtschaftskrise nicht zu umgehen ist. Das Dokumentarspiel eignet sich als Einstieg in das Thema der Börsengeschäfte, da dem Zuschauer die Vorgänge an der Börse verständlich vermittelt werden und dieses zusätzlich mit einer interessanten nach wahren Begebenheiten erzählten Geschichte verbunden ist.

 

rezensiert im  Wintersemester 2017/2018

 

Der schwarze…: eine Rezension von Lisa Heinemann

Quelle: PIDAX (URL: https://www.pidax-film.de/Historien-Klassiker/Der-schwarze-Freitag::1017.html)

Viele Menschen meiden Dokumentationen, weil sie ihnen zu langweilig sind. Ein Dokumentarspiel kann eine gute Alternative darstellen, wenn man keinen gesteigerten Wert auf historisch einwandfrei belegte Abläufe legt und trotzdem Allgemeinwissen zu einem Thema aufbauen möchte. Der Film „Der schwarze Freitag“ zählt zu diesem Genre. Wie gelingt ihm die unterhaltsame Faktenvermittlung?

Den meisten Menschen ist bekannt, dass es 1929 ein Ereignis gab, dass eine Weltwirtschaftskrise auslöste. Vielleicht weiß man auch, dass es sich dabei um den „Schwarzen Freitag“ handelt und dass die Börse involviert war. Im gleichnamigen Film wird versucht, die Hintergründe der Katastrophe aufzuklären. Wie kam es dazu, dass die Wirtschaft so unerwartet zusammengebrochen ist? Welche Rolle spielte die Börse? Und kann man möglicherweise sogar einen Verantwortlichen festmachen?

Eine zentrale Rolle dabei spielt der damalige Präsident der New Yorker Börse, Richard Whitney (Curd Jürgens). Die Figur bildet den roten Faden, der sich durch den Film zieht. Die Mischung aus Lässigkeit und Durchtriebenheit, welche Richard Whitney ausmachen, zeigt der Schauspieler über sein Minenspiel und die Gestik eindrücklich. Dies wird durch die Kameraführung noch unterstrichen: Wenn Whitney sich von den Senatoren abwendet und dadurch genau in die Kamera schaut, kann der Zuschauer seine Emotionen nachverfolgen, während die anderen Figuren ausgeschlossen werden.

Insgesamt betrachtet ist die Kameraführung gelungen. So wird beispielsweise das Chaos und die Unmittelbarkeit einer Szene mit leichten Kameraschwankungen unterstrichen, wodurch der Zuschauer sich mehr auf die Illusion, vor Ort zu sein, einlassen kann. Bei der Anhörung Whitneys vor dem Senat wird vieles, was der Präsident der Börse nicht sagt oder anders ausdrückt, durch Kameraeinstellungen gezeigt. Der Broker verliert vor den Senatoren nie die Fassung, aber wenn er sich bedrängt fühlt, positioniert die Kamera sich hinter ihm und vermittelt so das Gefühl, dass die Senatoren auf der anderen Raumseite den einzelnen Mann einkreisen.

„Der schwarze Freitag“ ist ein Schwarz-Weiß-Film und weist ein teilweise durch Punkte gestörtes Bild auf. Farbfilme waren zu Zeiten des Drehs bereits möglich, doch um die Authentizität des Films zu steigern, wurde darauf verzichtet. Ebenso fehlen Soundtracks. Das ist für moderne Zuschauer ein wenig seltsam. Filmmusik eignet sich zum Spannungs- oder wenigstens Aufmerksamkeitsgewinn, was besonders bei Dokumentationen praktisch ist und daher heutzutage häufig verwendet wird.

Nach der Einführung in die Handlung, welche dem Trailer gleicht, gibt es nämlich eine Szene, die die Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauer strapaziert: die Anhörung beim Senat. Davor fesselt der Film mit einem humorvollen Erzähler und Bildern, die das Gesagte untermalen. Beim Satz „Löhne und Gehälter klettern“ wird dann ein Arbeiter gezeigt, welcher eine Leiter in luftige Höhen besteigt. Nach der langen Senatsszene mischt der Erzähler sich wieder ein und bildet so einen Rahmen um den Film.

Auch die Senatssitzung beginnt vielversprechend. Richard Whitney und die Senatoren liefern sich hitzige Diskussionen, die vor Spitzfindigkeiten, Provokationen, Ironie und Zynismus nur so triefen. Hintergrundwissen zum Börsengeschehen wird durch die Erklärungen Whitneys eingeschleust, welche er auf die Fragen der Senatoren abgibt. Doch bei all den unterhaltsamen Wortgefechten ist es manchmal schwer, die übermittelten Informationen aufzunehmen. Die Figuren und ihre Beziehungen zueinander, all die Spitzen, die sie sich zuwerfen, lenken stark ab und strengen auf Dauer an. Da hilft es keineswegs, dass diese Szene den Hauptteil des Films bildet.

Die Verhältnisse der damaligen Zeit zeigen sich nicht nur in der Kleidung der Figuren. Weibliche Personen tauchen selten auf – und dann nur als Sekretärinnen. Auch dunkelhäutige Menschen werden in dem Film eher ausgeblendet oder als niedere Arbeiter dargestellt.

„Der schwarze Freitag“ erfüllt seine Aufgabe als Dokumentarspiel. Man gewinnt nicht nur Wissen zu dem damaligen Ereignis, sondern begreift auch die Hintergründe der Börse im Allgemeinen. Zwar haben sich deren Regeln im Laufe der Jahre geändert, doch das zugrunde liegende Prinzip bleibt gleich: Kaufen und Verkaufen, um Profit zu machen. Dass das auf Kosten der weniger reichen Bevölkerungsschichten geschieht, ist auch heute noch ein Thema, welches nicht nur im Zusammenhang mit der Börse erwähnenswert ist. Dieses Prinzip prägt jede vom Kapitalismus beeinflusste Gesellschaft. Außerdem lässt sich aus dem Film einiges zur grundsätzlichen Entstehung von Wirtschaftskrisen ableiten. Die Krise 2007/2008 wurde zwar durch den Immobilienmarkt und nicht die Börse ausgelöst, doch Spekulation und Kredite spielten auch dort eine entscheidende Rolle. Damit besitzt „Der schwarze Freitag“ auf mehreren Ebenen einen bildungsrelevanten Wert.

 

verfasst im Wintersemester 2017/2018

Mehr Informationen zu Dokumentarspielen: http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=2728