Filmdaten: Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses

Quelle: bluescreens.net (URL: http://www.bluscreens.net/mississippi-burning.html)

USA 1988

(Originaltitel: Mississippi Burning)

Regie: Alan Parker

Drehbuch: Chris Gerolmo

Produktion: Frederick Zollo // Robert F. Colesberry

Musik: Trevor Jones

Kamera: Peter Biziou

Schnitt: Gerry Hambling

Besetzung: Gene Hackman: Agent Rupert Anderson // Willem Dafoe: Agent Alan Ward // Frances McDormand: Mrs. Pell // Brad Dourif: Deputy Clinton Pell // R. Lee Ermey: Bürgermeister Tilman // Gailard Sartain: Sheriff Ray Stuckey // Stephen Tobolowsky: Clayton Townley // Michael Rooker: Frank Bailey // Pruitt Taylor Vince: Lester Cowens // Badja Djola: Agent Monk // Kevin Dunn: Agent Bird // Frankie Faison: Lobredner (Totenmesse) // Darius McCrary: Aaron W. //  u.a.

Länge: 127 Minuten

FSK: 16

Hier geht’s zum Trailer!

 

Mississippi…: eine Kritik von Eda Engin

Quelle: SKY (URL: http://www.sky.com/tv/movie/mississippi-burning-1988)

Woher kommt er bloß? All dieser Hass?

Eine Frage, die sich der FBI Agent Alan Ward (Willem Dafoe) stellt, kurz nachdem er gemeinsam mit seinem Partner Agent Rupert Anderson (Gene Hackman) in Jessup County, Mississippi ankommt. Das Jahr ist 1964. Drei Bürgerrechtler, die sich für das Wahlrecht der Afroamerikaner eingesetzt haben, sind in dieser Kleinstadt spurlos verschwunden. Recht schnell verdichtet sich die Annahme, dass der Ku-Klux-Klan hinter dem Verschwinden der Aktivisten steckt. Doch der offen zur Schau gestellte Rassismus der Stadt, die Feindseligkeit gegenüber dem FBI und die Einschüchterung möglicher Informanten erschwert den Ermittlern ihre Arbeit.

Dieser ansprechend inszenierte Kriminalfilm des Regisseurs Alan Parker aus dem Jahre 1988 basiert auf realen Begebenheiten. Im Jahr 1964 wurden die Bürgerrechtler James Chaney, Andrew Goodman und Michael Schwerner in Neshoba County entführt und ermordet. Dies geschah, als die amerikanische Bürgerrechtsbewegung ihren Höhepunkt erreicht hatte und kurz nach der Beschließung des Civil Rights Acts von 1964, welches die Rassentrennung und die Ausschließung von Afroamerikanern bei Wahlen verhindern sollte. Dieser Film muss also nicht nur die Ansprüche der Filmkritiker erfüllen, sondern auch die der afroamerikanischen Gesellschaft und der Familien der Opfer. Doch ob er das tatsächlich schafft, ist fragwürdig.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich hierbei um einen Kriminalfilm und keine Dokumentation, weswegen die beiden Ermittler Ward und Anderson im Vordergrund stehen und nicht die ermordeten Aktivisten. Willem Dafoe spielt die Rolle des jungen, regeltreuen Ermittlers Alan Ward souverän und auch Gene Hackman verkörpert den humorvollen älteren Ermittler aus den Südstaaten, Rupert Anderson, sehr gut. Das wird nicht zuletzt an den vielen Szenen deutlich, in denen die beiden Ermittler wegen ihren unterschiedlichen Arbeitsstilen und Meinungen aneinandergeraten. Zum Beispiel äußert Agent Ward in einer Szene im Motel, in dem er die Bürgerrechtler verteidigt: „Für einige Dinge lohnt es sich zu sterben“, wozu Anderson bloß entgegnet: „Tja, hier im Süden betrachtet man die Dinge etwas anders. Hier glauben die Leute, für einige Dinge lohnt es sich zu töten.

So gut die beiden Hauptdarsteller ihre Rollen auch verkörpern, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Neben der Fiktionalisierung der wahren Ereignisse, ist die Tatsache, dass man diesen Film aus der Sicht von zwei weißen Beamten sieht, einer der Probleme des Films. Es ist moralisch verwerflich in einem Film, der einen Teil der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung behandelt, alle afroamerikanischen Charaktere mit dem Hintergrund verschmelzen zu lassen, während zwei weiße Amerikaner die Ritter in glänzender Rüstung spielen. Mit diesem Vorgehen stellt Mississippi Burning jedoch keine Ausnahme in Hollywood dar. Häufig werden wichtige historische Ereignisse zu Unterhaltungszwecken zu Filmen verarbeitet, die die wahren Ereignisse nicht mehr richtig wiedergeben. Das ist nicht unproblematisch, wenn man bedenkt, dass viele Menschen eher dazu neigen einen Film über ein spezielles Ereignis zu schauen, als dieses in einem Geschichtsbuch nachzulesen.

Wenn man über diese Probleme hinwegschauen kann, reißt Mississippi Burning den Zuschauer mit in seine bedrückende Atmosphäre. Selbst der heutige Zuschauer wird erschreckend feststellen, dass viele der beschriebenen rassistischen Taten des Ku-Klux-Klans aktuell wieder in den Medien zu finden sind. Im Film hält der Großmeister des Ku-Klux-Klans, Clayton Townley (Stephen Tobolowsky), eine Ansprache vor der Presse und wird von Reportern gefragt, ob er der Sprecher des Ku-Klux-Klans sei, worauf dieser entgegnet: „Ich hab‘s doch gesagt. Ich bin Geschäftsmann. Außerdem bin ich Bürger von Mississippi. Und Amerikaner. Und mir hängt es langsam zum Hals raus mitansehen zu müssen, wie viele von uns aus Mississippi ihre Ansichten verdreht bekommen durch Ihre Zeitungsleute und durchs Fernsehen.“ Wenn man diese Aussage zum ersten Mal hört, könnte man mit Recht unsicher sein, ob sie vom Großmeister des Ku-Klux-Klans kommt oder doch vom derzeitigen Präsident der Vereinigten Staaten, der mal wieder „Fake News“ verkündet.

Der im Film beschriebene verblendete Rassismus wird heutzutage nicht mehr von Menschen mit weißen Kapuzen verbreitet, sondern vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump und vielen rechtsextremen Gruppierungen. Erst vor wenigen Wochen sind Mitglieder der sogenannte Alt-Right-Bewegung und des Ku-Klux-Klans mit Fackeln in den Händen durch die Straßen von Charlottesville, Virginia marschiert. Keiner von ihnen hat aus Angst vor Konsequenzen sein Gesicht verschleiert, stattdessen haben alle stolz in die Kamera geblickt, während sie rechtsextreme Parolen riefen. Wieso auch, wenn nicht mal der Präsident diese Taten öffentlich verurteilt?

Betrachtet man Mississippi Burning losgelöst von seinem historischen Kontext, stellt er einen guten Kriminalfilm dar, der mit einem spannenden Plot und interessanten Dialogen überzeugen kann. Wem jedoch die historische Genauigkeit und korrekte Darstellung ethnischer Minderheiten am Herzen liegt, dem wäre mit einer Dokumentation oder einem Buch zum Thema besser geholfen.

Agent Wards anfängliche Frage wird im Film selbst in einer späteren Szene von Mary Pell (Frances McDormand), der Frau des Hilfssheriffs, beantwortet: „Hass ist nicht etwas, womit man geboren wird. Er wird anerzogen.“

 

rezensiert im Wintersemester 2017/2018

 

Mississippi…: ein Text von Isabell Müller

Quelle: bluescreens.net (URL: http://www.bluscreens.net/mississippi-burning.html)

Zusammenfassung:

Drei Aktivisten der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung fahren über eine Landstraße bis sie hinter sich ein Auto mit Blaulicht entdecken, nach ein paar Metern halten sie verängstigt an. „Alles wird gut“ sagt der Fahrer zu seinen zwei Beifahrern, ein Mann streckt den Kopf durchs Fenster und nach einem kurzen Gespräch mit Beleidigungen wie „Judenbengel“ oder „Du riechst schon wie ein Neger“ wird dem Fahrer in den Kopf geschossen.

Aufgrund dieses Ereignisses sind die FBI Agenten Rupert Anderson und Alan Ward in die Kleinstadt Jessup County in Mississippi gekommen. Der dort herrschende Rassismus und die Angst vor dem im Verdacht stehenden Ku-Klux-Klan, verhindert eine schnelle Aufklärung des Falles.

Die Übergriffe des Klans werden immer erschreckender: Häuser werden angezündet, Menschen geschlagen, ermordet oder verstümmelt.

Die Ermittlungen der Agenten stellen sich als schwieriger heraus als gedacht, denn handfeste Beweise gegen die Verdächtigen zu finden und dann noch das ebenfalls rassistische Gericht davon zu überzeugen, scheint quasi unmöglich.

 

Kritik:

„Mississippi Burning“ zeigt das Leid der Farbigen Bevölkerung zur Hochzeit des Ku-Klux-Klans, die den kolonialen Lebensstil erhalten wollten und Schwarze, auch nach ihrer Befreiung aus der Sklaverei 1865, weiterhin nicht als gleichberechtige Mitglieder der Gesellschaft akzeptierten.

Der Film wirkt gerade deswegen so authentisch, da die Entführung auf einer wahren Begebenheit beruht. Auch die erschreckenden Bilder einer Erhängung, brennender Kreuze oder eines verbrannten Mannes geben dem Film die nötige Ernsthaftigkeit. Ebenso tragen die Schauspieler mit ihrer Mimik dazu bei, dass der Zuschauer Beziehungen mit den von ihnen dargestellten Figuren aufbaut und Emotionen wie Wut und Betroffenheit empfindet.

Die eingefügten Effekte wie z.B. die Explosion eines Hauses in Zeitlupe fügen sich gut in den Film ein, ohne es zu stark gewollt aussehen zu lassen.

Trotz der Brutalität des Filmes, gibt es aufgrund der kleinen Auseinandersetzungen der Agenten Anderson und Ward immer wieder Stellen an denen der Zuschauer zum schmunzeln gebracht wird.

Auch wenn der Film gegen Ende etwas langatmig wird, lässt sich er sich dennoch empfehlen, da er authentisch die damalige Situation wiederspiegelt und sich die fortlaufende Handlung immer weiter zuspitzt, womit Spannung im Großteil des Filmes garantiert wird. „Mississippi Burning“ hat eine erinnernde, sowie eine warnende Funktion und wurde 1989 vermutlich gedreht, um die Bevölkerung auf das Leid der Schwarzen und die Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen.

Rassismus ist auch heute noch ein Problem, dass zeigt unter anderem ein Fall aus dem Juli 2016 in Minnesota. Der 32-jährige Philando Castile hielt wegen eines defekten Rücklichts an und wurde von einem Polizisten erschossen, bevor er überhaupt seine Fahrzeugpapiere vorgezeigt und nachdem er offen zugegeben hatte eine Waffe zu besitzen, für die er jedoch eine Lizenz hatte. Dies ist nur einer von vielen Fällen von Polizeigewalt gegenüber Farbigen.

 

verfasst im Wintersemester 2017/2018

 

Quellen:

https://www.welt.de/vermischtes/gallery13665884/Das-Leben-der-Schwarzen-in-den-USA.html

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-07/gewalt-gegen-schwarze-polizei-usa

 

Mississippi…: ein Text von Larissa Schaus 

Quelle: alanparker.com (URL: http://alanparker.com/film/mississippi-burning/mississippi-burning-12-juiced/)

Inhaltsangabe:

Im Drama „Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses“ vom Regisseur Alan Parker erschienen im Jahr 1989 geht es um rassistische Übergriffe im Bundesstaat Mississippi.

1964 verschwinden in Mississippi drei junge Bürgerrechtsaktivisten. Die FBI-Ermittler Rupert Anderson (Gene Hackmann) und Alan Ward (Willem Dafoe) werden hingeschickt um den Fall zu lösen.

Doch mit ihrer Ankunft verschlimmert sich die Lage. Die Angriffe des Ku-Klux-Klan gegen die Schwarzen werden immer brutaler.

Des Weiteren ist das Sheriff-Departement den beiden alles andere als behilflich.

Die Lage spitzt sich zu, Mississippi steht wortwörtlich in Flammen und von den drei vermissten fehlt immer noch jede Spur….

 

Kritik:

Die Geschichte der Afroamerikaner in den USA ist ein düsteres Kapitel. Sie wurden als Sklaven in das Land gebracht und bis heute sind die Diskriminierungen nicht überwunden.

Der Film „Mississippi Burning“ behandelt genau diese Thematik, ohne an Brutalität zu sparen. Und genau durch diese stockt einem empfindsamen Betrachter schon mal das ein oder andere Mal der Atem.

Der Film weckt enorme Emotionen wie Trauer, Wut und Mitgefühl.

Man kann davon ausgehen dass der Regisseur mit Absicht darauf geachtet hat, dass durch den Film bittere Wut auf die gezeigten Rassisten (und Rassisten im Allgemeinen) ausgelöst wird.

Es war eine gute schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller. Direkt am Anfang gelingt es ihnen die Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen. Sie verkörpern zwei ganz verschiedene Charaktere die ganz bestimmt nicht immer einer Meinung sind.

Alan Ward basiert sich lieber auf offizielle Methoden des FBI während Rupert Anderson (der auch im Süden aufgewachsen ist) lieber zu etwas härteren Mitteln greift, die aber deutlich effizienter sind.

Doch schlussendlich gelingt es den beiden als Team den Fall aufzuklären.

Der Film hatte insgesamt 7 Oscarnominierungen, bekommen hat er jedoch nur einen. Den Oskar gab es für die Kameraführung von Peter Biziou.

Parker selbst wurde für den Film fast mehr kritisiert als gelobt, unter anderem dafür, dass das FBI positiver dargestellt wurde als es in der Realität wirklich war.

Im Bezug zur Realität galt die Wahl von Barack Obama 2009 als ein tiefer historischer Einschnitt. Zum ersten Mal wird ein Afroamerikaner zum Präsidenten der USA gewählt.

Obama wollt ein Versöhner sein, der die Rassenspannung im Land mildert. Er gab den Schwarzen wieder neue Hoffnung.

Doch nach dem Trumpsieg 2017 haben die Schwarzen wieder Angst bekommen, doch nicht nur sie sondern auch die Hispanics und die Muslime. Viele weiße Rassisten fühlen sich von ihm inspiriert.

Ich persönlich finde den Film durchaus empfehlenswert weil man besser verstehen kann wie schlimm die Situation der Rassenspaltung in Amerika wirklich ist. Es wird eine Thematik behandelt die vielleicht solange es Menschen gibt immer aktuell bleiben wird.

geschrieben im Wintersemester 2017/2018

Quellen:

http://www.deutschlandfunkkultur.de/obamas-bilanz-hat-sich-der-rassismus-in-den-usa-veraendert.1008.de.html?dram:article_id=369926

https://www.welt.de/vermischtes/gallery13665884/Das-Leben-der-Schwarzen-in-den-USA.html

Mississippi…: eine Rezension von Anastasia Kudinov

Quelle: alanparker.com (URL: http://alanparker.com/film/mississippi-burning/mississippi-burning-9-2/)

Inhalt:
„Mississippi Burning“ ist ein Film von Alan Parker, der im Jahr 1988 gedreht wurde und dessen Handlung in 1964 spielt. Der Film basiert auf einem tatsächlichen Ereignis in eben diesem Jahr, bei dem die Morde an drei Bürgerrechtsaktivisten untersucht worden sind.
Die zwei FBI-Agenten Rupert Anderson (Gene Hackman) und Alan Ward (Willem Dafoe) kommen nach Mississippi, um den Fall drei verschwundener Bürgerrechtler aufzuklären. Schnell stellt sich heraus, dass es hierbei um mehr geht. Mississippi lebt in einer Zweiklassengesellschaft. Schwarze werden grundlos gejagt und ermordet – Rassismus wird zum Leitgedanken.

 

Kritik:
„Nice!“ denke ich, als mir bewusst wird, worum es in „Mississippi Burning“ geht. Rassismus ist ein interessantes Thema und dass Alan Parker es schafft, mir schon in der Anfangsszene klar zu machen, worum es geht, beeindruckt mich. Es ist etwas unangenehm, sich eine Minute lang anzusehen, wie ein farbiges Kind nicht aus dem gleichen, modernen, nicht-kaputten Wasserhahn trinken darf, wie der weiße Mann. Währenddessen erklingt „Take My Hand Precious Lord“ von Mahalia Jackson im Hintergrund und begleitet mich in die nächste Szene. Sich für die darauf folgenden zwei Minuten ein brennendes Haus anzuschauen, wirkt ebenfalls unbehaglich. „Na, wenn das nicht bedeutet, dass sich der Film in den nächsten zwei Stunden gekonnt mit Rassismus auseinandersetzen wird!“ freue ich mich. Zwei Stunden später bin ich bereit für eine Kritik, die dem Film genauso eine Ohrfeige verpassen soll, wie der Film meinen Erwartungen eine verpasst hatte.
„Mississippi Burning“ hat nichts von dem erreicht, was ich glaubte durch die erste Szene suggeriert zu bekommen. Der Film zeigt lediglich zwei mehr oder minder sympathische, amerikanische Agenten, die den leicht zurückgebliebenen Mississippi-Bewohnern zeigen müssen, was Moral eigentlich bedeutet.

Was genau erweckt einen solchen Eindruck? Was lässt den Film 29 Jahre später so alt aussehen?

„Mississippi Burning“ behandelt ein zeit- und grenzenloses Thema: Mit unterschiedlichen Kulturen, die im selben Land nebeneinander existieren, musste und muss sich eine Gesellschaft überall auf der Welt befassen. Nicht nur in den USA und nicht nur in Mississippi. Ja, die Thematik von Rassismus ist komplex und gewiss nicht durch einen zweistündigen Film zu klären, aber wenn man dem Zuschauer eine Moral zum Thema Rassismus vermitteln will, kann man in Betracht ziehen die unterdrückte Gruppe zu Wort kommen zu lassen.
Hier hat der Film seine erste logische Lücke: Schwarze Darsteller haben kaum Dialoge. Es gibt wenige Charaktere, die überhaupt erwähnenswert wären[1], aber deren Gedanken oder Intentionen dem Zuschauer nie deutlich gemacht werden. Manchmal sieht man ein paar Ausschnitte von den Lebensumständen, die vor allem im Kontrast zu den Wohnungen der Weißen Mitleid und Wut hervorrufen. Ansonsten sehen wir Schwarze nur in Gruppen, in Kirchen, oder wie sie gerade misshandelt werden.
Dadurch, dass der Film Schwarze lediglich als stille Opfer der etablierten Partei von Extremisten und Polizisten darstellt, ohne ihnen eine Identität zu geben, bleibt das Identifikationspotential aus. Die Perspektive ist nicht authentisch gewählt. Der Zuschauer bekommt das Gefühl, er müsste den armen Schwarzen beschützen, weil… ja warum eigentlich? Weil der Ku-Klux-Klan[2] so eine fanatische Organisation ist oder weil man die Agenten doch eigentlich irgendwie sympathischer findet als den Rest? Immerhin handeln die wenigstens vernünftig, oder?

Hier stoßen wir auf die zweite logische Lücke: Die FBI-Agenten sind zwar die Moralträger im Film, aber die Moralträger bieten kaum charakterliche Tiefe. Zum Beispiel trägt Agent Ward nicht viel zum Fall bei, außer seinem Kollegen Anweisungen zu geben. Generell schafft er es den ganzen Film lang besonders emotionslos zu wirken.
Anderson dagegen bildet einen komplexeren Charakter. Er scheint mehr involviert zu sein, weil er verschiedenste Bewohner ausfragt. Er geht auf die einzelnen Menschen unterschiedlich ein. Er reagiert oft emotional. Die Frauen der Stadt scheinen ihn gar zu
mögen. Er verteidigt seine eigenen Untersuchungsmethoden und lehnt sich an einigen Stellen gegen Ward auf. Er kritisiert sogar die Moralpredigten seines Kollegen. Das alles lässt Anderson menschlich erscheinen. Nichtsdestotrotz nutzt der Agent gewalttätige Methoden, um an sein Ziel zu kommen. Diese werden lediglich durch seine eigenen Moralvorstellungen gerechtfertigt.
Ward wirkt nicht tiefgründig genug, um die Intentionen nachvollziehen zu können – Anderson wirkt nicht vernünftig genug, um seine Handlungen rechtfertigen zu können.

Zudem suggeriert der Film, dass im Rest Amerikas keine anderen Auseinandersetzungen mit Rassismus von Nöten seien. Dort werden Schwarze nicht misshandelt oder wie Untermenschen behandelt. Dabei ist das Thema Rassismus noch heute ein Thema in den Vereinigten Staaten, was zum Beispiel der Vorfall in Ferguson 2014 und die seit dem entstandene „Black Lives Matter“-Bewegung[3] zeigen.
Auch die Frauen scheinen im Rest Amerikas bereits emanzipiert. Zumindest beschreibt Anderson der lokalen Frisöse seine Exfrau so, dass sie unabhängig von ihm sei und dass es ihr nichts ausgemacht habe sich von ihm zu trennen. Sie könne sich einfach für jede Gelegenheit einen anderen Mann suchen. Anderson tritt dann aus dem Haus und beschreibt Ward, wie typisch es für die Kleinstadtfrauen sei, sich vom Mann herumkommandieren zu lassen[4]. Dieser Kontrast lässt das Motiv der unterdrückten Frau für den Zuschauer nur in Mississippi stattfinden.

Die Bewohner des Südstaates fühlen sich dementsprechend angegriffen – die da oben aus New York mit ihrer Propaganda kommen her, um uns zu belehren. Leider stellt der Film es genau so dar: Es kommen zwei FBI-Agenten auf dem Norden nach Mississippi, um die Schwarzen aus den Fängen des bösen Ku-Klux-Klans zu befreien[5] und nebenbei dem Bundesstaat den moralisch richtigen Weg zu weisen.

So wird auf die Intentionen des Ku-Klux-Klan auch nur bedingt eingegangen. Insgesamt sind sie eine böse, patriotische, propagandistische Gruppe, die Unrecht tut. Sicher hätte man weit tiefgründigere Intentionen als nur Rassentrennungsideologie beleuchten können. So zum Beispiel Machtverlust, -erhalt und -verhältnisse zwischen den zwei verschiedenen Kulturen innerhalb Mississippis. Diese beinhalten neben dem Ku-Klux-Klan auch die normalen Zivilbürger. Zudem hätte der Konflikt zwischen nördlichen und südlichen Staaten in mehr als nur Parolen und gegenseitigen Propagandavorwürfen beleuchtet werden können.

Mit über zwei Stunden Länge hätte der Film die Möglichkeiten dazu gehabt, mit wenigstens einer Hauptthematik in die Tiefe zu gehen. Stattdessen werden viele verschiedene Themen angesprochen – eine konkrete Lösung oder authentische Darstellung von Charakteren darf der Zuschauer jedoch nicht erwarten. Lieber wird die Zeit mit Gewalt und Emotion gefüllt. Gerade bei einer Auseinandersetzung mit Rassismus und Feminismus wäre es progressiv gewesen nicht auf Mitleid zu setzen. Dieses wird beispielsweise durch Kinder, die bei bei politischen Versammlungen von der Kamera fokussiert werden oder Gewalt ausgesetzt sind, ausgelöst. Dabei hätte die Tatsache, dass „nicht-weiße“ beziehungsweise „nicht-männliche“ Menschengruppen nicht human behandelt werden, vollkommen gereicht.

Könnte es daran liegen, dass es in 1988 zeitgemäß war komplexe Themen nur anzureißen und primär Weiße als Hauptdarsteller zu benutzen?

Ganz im Gegenteil. 1988 war ein Jahr in dem Clint Eastwood mit „Bird“ bereits komplett in die afro-amerikanische Perspektive des Jazzspielers Charlie ‚Bird‘ Parker eintaucht. Hierbei wird eine komplexe Persönlichkeit aufgezeigt, die mit Problemen und gleichzeitig mit Erfolgen zu kämpfen hat, dabei aber jederzeit dreidimensional wirkt. Mit Ausnahme von Parkers Frau spielen hier weiße Charaktere eher Nebenrollen. In 1988 bietet zudem Katsuhiro Otomo mit „Akira“ eine Auseinandersetzung mit dem Posthumanismus[6]. Dieser animierte Denkanstoß wird Jahre später einen bedeutenden Beitrag auf internationaler Ebene zu dem Genre leisten. Da schafft es „Mississippi Burning“ weder in Charakterdarstellung noch in der Auseinandersetzung einer komplexen Thematik mitzuhalten. Da schaue ich mir lieber „To Kill a Mockingbird“ (1962) nochmal an, der Rassismus, Machtverhältnisse und Gerechtigkeit 26 Jahre im Voraus behandelt.

Insgesamt hat sich „Mississippi Burning“ angefühlt, als wäre das „Damsel in Distress“-Trope[7] auf einen ganzen Staat verlagert worden, der nun von den gebildeten, weiterentwickelten Amerikanern in Form von Agenten gerettet werden muss.
Der Bundesstaat Mississippi, mit damals immerhin 2.5 Millionen Einwohnern, fühlt sich an wie ein zurückgebliebenes Dorf. Die Bürger von Mississippi scheinen nicht erkannt zu haben, dass der Rest Amerikas schon längst den Rassismus bekämpft, und auch sonst irgendwie bereits alle Probleme gelöst hat. Schade, denn die Filmlänge, die Schauspieler und der gewählte Zeitraum zur Auseinandersetzung mit Rassismus hätten durchaus Potential zu mehr gehabt.

 

rezensiert im Wintersemester 2017/2018

 

Fußnoten:

[1] So zum Beispiel der junge Prediger und einer der wenigen schwarzen Sympathieträgern Aaron Williams (gespielt von Darius McCrary) oder der schwarze Agent Monk (gespielt von Badja Djola), der SPOILER: eine ganze Szene bekommt, um ein Mitglied des Ku-Klux-Klans mit seinen Taten zu konfrontieren.

[2]  Gegründet in 1865 in Tennessee, fing der Ku-Klux-Klan als nicht-politische Organisation an. Zuspruch bekammen aber die nächtlichen, maskierten Ausritte aus dem ganzen Süden der USA, weil sich Schwarze, die damals noch Sklaven waren, davon einschüchtern ließen. Der Ku-Klux-Klan protestierte vor allem gegen die im Norden aufgestellte Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ku-Klux-Klan)

[3]  http://edition.cnn.com/2016/08/09/us/ferguson-michael-brown-timeline/index.html 

[4] Der Film reißt die feministische Debatte an mehreren Stellen an. Eine Szene in der Frauen mit Schwarzen zusammen auf dem „Freiheitsmarsch“ mitlaufen oder die Beziehung zwischen Anderson und Mrs. Pell (Frances McDormand), der Frau vom Deputy wären Beispiele dafür. Dieses Thema wird aber nur oberflächlich angerissen. (SPOILER: Sehr bemerkenswert ist dabei aber die Entscheidung von Mrs. Pell am Ende des Films nicht mit Anderson mitzugehen. Sie äußert dadurch einen klaren, eigenen Willen und Stärke alleine mit ihrer Situation fertig zu werden)

[5]  Trivia: In westdeutschen Filmen nach Ende des zweiten Weltkriegs gab es eine ähnliche Motiv. Es gibt eine böse Partei (im deutschen Falle die Nazis und manchmal auch die Russen) und die Opfer (in westdeutschen Filmen, keine Juden, sondern gebildete deutsche Bürger). Der Zuschauer fiel damit in eine Gruppe, die irgendwie da ist, aber nichts mit irgendwas zu tun hat. Somit musste der normale Bürger sich nicht mit Schuld auseinandersetzen.
„Mississippi Burning“ greift die Schuldthematik aber direkt auf (SPOILER: und spricht deutlich an, dass alle, die nichts gegen Unrecht unternehmen, Mitschuldige sind. Es entflieht der Schuldfrage nicht, aber leider reißt es diese nur einigen Stellen an). Quelle: https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-46538/klfvhz9j/ZB00_0006407.pdf; https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-46538/x481iz9j/ZB00_0006421.pdf

[6]  Posthumanismus beschreibt die ökologischen und technologischen Auswirkungen der Menschen auf die Umwelt. Meist wird dieses Konzept in cinematischen, literarischen und populären Werken in Form von Dystopien oder Zukunftsversionen der Menschheit dargestellt. Manchmal, und das thematisiert „Akira“ als eines der ersten Werke, geht es aber auch um die Transformation des Menschen in etwas Nicht-Menschliches, Technologisches. Es behandelt Fragen wie: „Worin unterscheidet sich der Mensch noch vom Roboter, wenn Roboter ein Bewusstsein einprogrammiert hätte?“ und „Wie geht eine Gesellschaft mit einer solchen Transformation um?“ Später entsteht der Begriff Transhumanismus, der ebendiese Transformation von Mensch zu Maschine näher beschreibt.

[7] Definition: http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/DamselInDistress?from=Main.DistressedDamsel

Weitere Quellen:
http://alanparker.com/film/mississippi-burning/making/
http://www.imdb.com/title/tt0095647/awards?ref_=tt_awd
http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Film/MississippiBurning